HEIMAT_FLUCHT_DIASPORA

Ein junges land mit langer geschichte und einer noch längeren Problemliste

ERITREA

Von 2014 bis 2019 fand jeden Donnerstag Abend eine offene Sprechstnde statt. Die Sprechstunde von Mekri e.V. für Geflüchtete im Asylverfahren in Muttersprache Tigrinja war meist die einzige Möglichkeit für die Betroffenen sich bzgl. des eigenen Asylverfahrens zu informieren, Fragen zu klären, Übersetzungen zu erhalten und erforderliche administrative Tätigkeiten, die das Asylverfahren mit sich trägt zu verstehen. Die Sprechstunde wurde darüber hinaus genutzt, um auch sehr sensible Themen und schwierige Lebenssituationen besprechen zu können. Da solch ein Angebot in der eritreischen Community bisher nicht bestand kamen mit der Zeit auch immer mehr Geflüchtete außerhalb des Raums Frankfurt am Main angereist, um die Mekri e.V. F Sprechstunde in Anspruch zu nehmen.


Es erfolgten Anfragen zur Beratung z.B. aus Mannheim, Hamburg, Kaiserlautern über Dresden bis Berlin, quer durch das Bundesgebiet. Im Durchschnitt haben 14-20 Personen die Sprechstunde wöchentlich aufgesucht. Geflüchtete, die vor einer Abschiebung zum Beispiel nach Italien stehen, haben oftmals nur das Kirchenasyl als letzte Rettung.


Mekri e.V. suchte den Kontakt zu entsprechenden Gemeinden und begleitete Geflüchtete ins Kirchasyl. In der Begleitung der Schutzbedürftigen lag der Fokus der Arbeit. Dabei wurden behördliche Formalitäten der Betroffenen geklärt, Übersetzungstätigkeiten bei Arztterminen und sonstigen Notwendigkeiten. Auch die Vermittlung und Vernetzung zu weiteren Betreuungsoptionen waren Teil der Begleitung von Geflüchteten.


Das Ziel von Mekri e.V. ist es insb. in Form der Begleitung das Ankommen in Deutschland für Geflüchtete zu erleichtern, durch die sprachliche Vermittlung in Muttersprache zwischen den Betroffenen und Institutionen auch eine kultursensible Brücke geschlagen wird. Daher planen wir als Verein unsere offene Sprechstunde wieder ins Leben zu rufen. Da wir von unseren bisherigen Erfahrungen viel gelernt haben, sind wir diesmal auf der Sucher nach Geldgeber*innen, die das Ganze finanzieren, um der Tragweite eines solchen Projekts gerecht zu werden.

Flucht - ZuFlucht - Menschenrecht?!?!


Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951:

Im Sinne dieses Abkommens findet der Ausdruck “Flüchtling” auf jede Person Anwendung: die infolge von Ereignissen, die vor dem 1. Januar 1951 eingetreten sind, und aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will; oder die sich als staatenlose infolge solcher Ereignisse außerhalb des Landes befindet, in welchem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatte, und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen der erwähnten Befürchtungen nicht dorthin zurückkehren will.



16a des Grundgesetzes: Das Recht auf Asyl!


Politische Verfolgung i. S. von Art. 16 a Abs. 1 GG liegt hiernach vor, wenn dem Einzelnen durch den Staat oder durch Maßnahmen Dritter, die dem Staat zuzurechnen sind, in Anknüpfung an seine Religion, politische Überzeugung oder an andere, für ihn unverfügbare Merkmale, die sein Anderssein prägen, gezielt Rechtsverletzungen zugefügt werden, die nach ihrer Intensität und Schwere die Menschenwürde verletzen, ihn aus der übergreifenden Friedensordnung der staatlichen Einheit ausgrenzen und in eine ausweglose Lage bringen.

Angekommen????


Im Rahmen der Beratungsarbeit verzeichnet Mekri e.V. eine besorgniserregend wachsende Anzahl von Fällen häuslicher Gewalt und Femiziden in der eitreischen Community. Diese Problematik kann nicht im Rahmen der Beratungsarbeit im Asylverfahren angegangen werden und benötigt einen problemorientierten Ansatz, den der Verein in der Bewältigung von erlebten Traumata der Betroffenen erkannt hat: Aufgrund der traumatisierenden Erfahrungen während der Flucht nach Deutschland, der schwierigen Lebenssituation in Eritrea, Rassismuserfahrungen und dem Druck aus der eigenen Familie, in Deutschland Fuß fassen zu müssen, sind viele Geflüchtete seit Jahren enormem Stress ausgesetzt. Die fehlende Auseinandersetzung mit dem Erlebten blockiert oftmals ein selbstbestimmtes Ankommen. Damit verbundene Frustrationen und ein Gefühl von Machtlosigkeit führen häufig zu gewaltvollen Auseinandersetzungen in Familien und Partnerschaften, die in letzter Konsequenz zu Femiziden führen. Diese Thematik stellt für den Verein eine neue Herausforderung dar, die in Verbindung mit der traumatischen Belastung der Betroffenen steht. Ihnen fehlt es oftmals an persönlichen Netzwerken in Deutschland, um sich jemandem anzuvertrauen und an professionelle Hilfe zu gelangen. Auch die Akzeptanz professioneller Hilfe und das aktive Aufsuchen von Beratungsstellen ist noch nicht weit verbreitet in der Community.